Wir sind Lanius / 25 Jahre LANIUS

Interview  ·  Lesezeit: 5 Minuten

Wir feiern 25 Jahre LANIUS!

1999 hat Claudia Lanius ihr gleichnamiges Label gegründet. Angetrieben von der Leidenschaft, eine Marke aufzubauen, mit der sie die Vielfalt nachhaltiger Materialien nutzen konnte. Mit dem Bestreben, Mode für Frauen zu kreieren, die sich gut anfühlt und es auch ist. 

Anlässlich unseres Jubiläums – ein Vierteljahrhundert LANIUS – sprechen wir an dieser Stelle mit Claudia über ihre Gedanken zur Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.



The Past: Die Nullerjahre sind modisch wieder zurück und LANIUS wurde genau um die Jahrtausendwende gegründet. Wie sah Fair Fashion vor 25 Jahren aus?

Als ich 1999 LANIUS gründete, sprach noch niemand von Fair Fashion. Eine ganze Weile musste ich mich damit abfinden, dass der Begriff „Öko-Mode“ kursierte. Textilien aus Hanf wurden gerne auch mal als „Kartoffelsäcke“ bezeichnet. Darüber kann ich heute lachen. Die Mode von LANIUS hat immer schon eine modische Ausrichtung verfolgt, denn genau das wollte ich ja zeigen. Ich möchte und ich kann Schönes erschaffen mit einem guten Gefühl.

Viele nachhaltige Kompliz:innen und Kooperationspartner:innen haben den Weg von LANIUS begleitet. Gibt es welche, die dir besonders am Herzen liegen?

Oh, da gibt es einige. Allen voran möchte ich an dieser Stelle meine langjährigste Mitarbeiterin und enge Freundin Brigitte Pohlmann nennen, die sich nun nach 25 Jahren bei LANIUS in die Rente verabschiedet. Mit ihrem Können als Produktmanagerin und Schnittmuster-Expertin, mit ihrer positiven und lebensbejahenden Art hat sie mich und viele Zuliefer:innen sofort für sich eingenommen. Als nachhaltige Kompliz:innen sehe ich auch einige unserer Produktionspartner:innen, wie meine enge Freundin Aichin aus China, die schon seit 15 Jahren für uns nachhaltige Mode produziert. Verbunden fühle ich mich auch weiterhin zu hessnatur, die ich – wenn auch nicht mehr heute – 17 Jahre lang mit LANIUS Mode beliefert habe. Heinz Hess hat damals gezeigt, wie Nachhaltigkeit funktioniert – nämlich miteinander.

The Present: LANIUS wurde über 20 Jahre lang von dir alleine geführt und weiterentwickelt. Wie empfindest du die Konstellation als Mutter-Tochter-Duo in der Unternehmensführung?

Für mich ist es wirklich ein unbeschreiblich erfüllendes Gefühl, dass Annabelle bei LANIUS mit das Ruder übernommen hat, sich für Nachhaltigkeit starkmacht und mich in der Unternehmensführung unterstützt. Durch ihre langjährige Arbeit im Marketing hat sie LANIUS sukzessive immer transparenter gemacht, viele Menschen erreicht und neue Wegbegleiter:innen mitgenommen auf unserer Reise. Wir sind jetzt ein echtes Familienunternehmen – auch wenn es sich für mich eigentlich schon immer sehr familiär bei uns angefühlt hat.

The Future: Mode zelebriert eine Stimmung, einen Zeitgeist, eine Persönlichkeit. Welche Gedanken beschäftigen dich, wenn du an die Zukunft von LANIUS denkst?

Mich beschäftigt das Thema „Quality over Quantity“ stark. Ich könnte mir gut vorstellen, die LANIUS Kollektion mehr in Richtung Essentials zu entwickeln, also noch fokussierter saisonübergreifende, zeitlose Styles zu entwickeln. Wir verfolgen die Vision einer entschleunigten Modewelt, in der wir wieder weniger kaufen und dafür mehr Wert auf hochwertige Materialien und deren Verarbeitung legen. Eine Welt, in der wir unsere Kleidung zudem richtig pflegen, wertschätzen und im Kreislauf halten!

Im aktuellen LANIUS Magazin erklärst du, dass du mit der Gründung von LANIUS auch einen Weg zu dir selbst gefunden hast. Inwiefern ist die Marke LANIUS denn eine Repräsentation deiner selbst – mal ganz abgesehen vom Brand-Namen?

LANIUS ist ein Spiegel meiner Selbst. Die Werte, die ich selbst für mich lebe, auf denen baut auch LANIUS auf: Natürlichkeit, Hochwertigkeit und Nachhaltigkeit. Wer schon mal zu mir nach Hause gekommen ist und LANIUS kennt, wird relativ schnell bemerken, dass das LANIUS Corporate Design auch bei mir privat gelebt wird. Ich liebe es einfach, mich in geordneten und klaren Räumen aufzuhalten, die geben mir den Freiraum für Kreativität und Ruhe. Deswegen halte ich zuhause auch alles in Beige mit schwarzen Kontrasten und gestalte den Wohnraum mit natürlichen und hochwertigen Naturmaterialien.

Die Faszination für die Textilien spielt eine bedeutende Rolle in deinem Leben. Kannst du dich erinnern, wann und wie diese Leidenschaft entstanden ist? Gibt es einen besonderen Moment, der dir klar gemacht hat, dass du beruflich in der Textilindustrie Fuß fassen möchtest?

Meine Faszination für das Handwerk der Schneiderei und auch für Mode ist bereits in meiner Kindheit entstanden. Ich habe noch eine deutliche Kindheitserinnerung, wie ich gemeinsam mit meiner Oma meine erste Hose genäht und herumexperimentiert habe. Da war ich vielleicht fünf Jahre alt. Leute einzukleiden hat mir schon immer Spaß gemacht und ich habe lange im Bereich Kostümbild gearbeitet und meine Erfahrungen gemacht, was es heißt agil zu arbeiten und sich nicht von etwaigen Barrieren aufhalten zu lassen. Meine Leidenschaft für das Textil, insbesondere für Textilien aus nachhaltigen Materialien, wurde dann so richtig entfacht, als ich Anfang zwanzig war und auf das Buch „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ aufmerksam wurde. Kurz darauf gründete ich mit meinem Ex-Mann mein erstes Modelabel namens THC – The Hanf Company.